NZZ: FC Kosova und FC Hakoah für Toleranz und Gemeinsamkeiten

Përparim Avdili und Jeffrey Sachs

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«Auf dem Platz wurde jeder schon beleidigt» – weshalb der FC Hakoah und der FC Kosova für einmal miteinander statt gegeneinander spielen

Am Sonntag haben sich zwei ungleiche Zürcher Klubs zum Fussballspiel getroffen. Das Resultat stand dabei nicht im Vordergrund.

Oliver Camenzind (Text) und Christoph Ruckstuhl (Bilder)
Grosse Augen bei den D-Junioren des FC Kosova: Sie haben am Sonntag von Mario Fehr ein Geschenk bekommen.

Grosse Augen bei den D-Junioren des FC Kosova: Sie haben am Sonntag von Mario Fehr ein Geschenk bekommen.

Die Buben in den roten und den weissen Fussballleibchen keuchen noch. Gerade ist ihr Spiel abgepfiffen worden. Die Eltern halten lobende Worte und warme Jacken parat. Und jetzt dürfen die Jungs schon wieder grosse Augen machen. Mario Fehr hat ihnen nämlich ein Geschenk mitgebracht. Jedem der D-Junioren drückt der Regierungsrat und Sportdirektor einen Frisbee in die Hand, gesponsert vom Kanton Zürich. Auch Fehr ist zufrieden mit der Leistung, die die Kleinen auf dem Platz gezeigt haben.

Kurz darauf ist das ganze Feld 1 auf dem Zürcher Sportplatz Juchhof voll von kreischenden Elf- und Zwölfjährigen, die sich gegenseitig ihre neuen Plastikscheiben zuwerfen.

Dann sind die Erwachsenen an der Reihe. Die Mannschaften des FC Hakoah und des FC Kosova treffen sich an diesem Sonntagnachmittag zum Freundschaftsspiel, gleich wird angepfiffen. Bevor es losgeht, kommt jedoch ein ernstes Thema zur Sprache. An diesem Spieltag geht es nämlich weniger um sportliche Rivalität als um das Miteinander.

Fussball gegen Rassismus und Antisemitismus im Breitensport auf dem Zürcher Sportplatz Juchhof: Regierungsrat Mario Fehr (mit Brille) und Milaim Rama, ehemaliger Schweizer Nationalspieler (rechts neben Fehr).

Fussball gegen Rassismus und Antisemitismus im Breitensport auf dem Zürcher Sportplatz Juchhof: Regierungsrat Mario Fehr (mit Brille) und Milaim Rama, ehemaliger Schweizer Nationalspieler (rechts neben Fehr).

Gemeinsam wollen der jüdische FC Hakoah und der FC Kosova, Klub der muslimisch geprägten albanischen Diaspora, ein Zeichen setzen. Sie wollen beweisen, dass der Fussball Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund wirklich zusammenbringen kann. Sie wollen zeigen, dass es im Sport mehr auf die Gemeinsamkeiten ankommt als auf die Unterschiede.

Vor dem Spiel der beiden Herrenmannschaften gibt es darum eine Art Podiumsgespräch zum Thema Rassismus und Antisemitismus im Breitensport. Es ist auf eine Viertelstunde angesetzt, und mehr Zeit braucht es auch nicht. Denn Dina Wyler, Sonja Rueff-Frenkel, Mario Fehr und die beiden Klubpräsidenten sind sich einig: Diese Themen bei den Amateuren anzusprechen, ist nicht nur wichtig, es lohnt sich auch.

Der Fussball ist eine geteilte Leidenschaft

Dina Wyler ist Geschäftsführerin der Zürcher Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA). Sie sagt: «Wenn wir dort hingehen, wo die Leute ihre Freizeit verbringen, können wir sie am besten erreichen.» Beim Sport würden Inklusion – aber eben auch Diskriminierung – Spiel für Spiel gelebt. Darum komme dem Sport eine Vorbildrolle zu.

Der Sport, er wird in internationalen Kampagnen gern als Antwort auf alle möglichen Probleme dargestellt. Von Respekt und Fairness ist dann oft die Rede, von der Gleichheit aller Spieler und von allerlei anderen Tugenden. Aber auf dem Zürcher Juchhof, da braucht es keine grossen Worte. Da kommt man zusammen und spielt miteinander. Ganz selbstverständlich.

«Rassismus und Antisemitismus erscheinen oft als abstrakte Themen. Aber auf dem Platz, da wurde jeder schon einmal beleidigt, das kennt man», sagt Dina Wyler. Darum will sie die Thematik jetzt gewissermassen von unten her angehen.

Sie will Themen wie Rassismus und Antisemitismus von unten her angehen: Dina Wyler, Geschäftsführerin der Stiftung GRA.

Sie will Themen wie Rassismus und Antisemitismus von unten her angehen: Dina Wyler, Geschäftsführerin der Stiftung GRA.

Dass das am Sonntag so gut funktioniert, das erklärt sich Përparim Avdili so: «Die 22 Spieler auf dem Platz teilen im Fussball eine Leidenschaft. Woher sie kommen und woran sie glauben, das ist während der Partie vollkommen unwichtig. Wenn man selber auf dem Feld steht, spürt man das.» Avdili sitzt für die FDP im Zürcher Gemeinderat und beim FC Kosova im Vorstand.

Aber am Sonntag, da spielt Avdili ausnahmsweise im weissen Trikot des FC Hakoah: Die Teams haben sich vor dem Spiel gemischt. So spielen Hakoah-Stürmer mit Kosova-Verteidigern in einer Mannschaft und umgekehrt. «Vielfalt und Respekt sind unseren beiden Vereinen ein Anliegen. Da wäre es doch unsinnig, gegeneinander anzutreten und sich am Ende über einen Sieg zu freuen», sagt Jeffrey Sachs, der Präsident des FC Hakoah.

Beim Spiel FC Hakoah gegen FC Kosova am Sonntag mischen sich die Teams. So spielen Hakoah-Stürmer mit Kosova-Verteidigern in einer Mannschaft und umgekehrt.

Beim Spiel FC Hakoah gegen FC Kosova am Sonntag mischen sich die Teams. So spielen Hakoah-Stürmer mit Kosova-Verteidigern in einer Mannschaft und umgekehrt.

Mit einem anderen Leibchen zu spielen, das scheint hier niemandem etwas auszumachen. Die Männer ziehen ihre Trikots über, und dann geht es los. Hauptsache, Fussball spielen, scheinen sie sich zu sagen. Einige der Spieler wissen bis zum Ende der Partie selbst nicht mehr richtig, mit wem sie eigentlich im Verein sind und mit wem nicht.

Sie wollen lieber zeigen, wie es richtig geht

So tolerant wie auf dem Juchhof geht es längst nicht auf allen Fussballplätzen zu. Rassistische und antisemitische Vorfälle machen im Schweizer Fussball immer wieder Schlagzeilen. Diesen August sorgte beispielsweise ein Fall aus St. Gallen für Entrüstung.

Damals bezeichneten Anhänger des Heimteams Timothy Fayulu, den schwarzen Torhüter des FC Sion, als «Affen». Die Schweizer Fussballliga hat ein Disziplinarverfahren gegen den FC St. Gallen eröffnet, Anfang November aber wieder eingestellt – obwohl mittlerweile ein Verdächtiger ermittelt werden konnte.

Jeffrey Sachs und Përparim Avdili kennen derartige Ausfälligkeiten nur zu gut aus eigener Erfahrung. Aber beschweren mögen sie sich darüber nicht mehr. Lieber unternehmen sie etwas gegen die schwelenden Ressentiments auf den Fussballplätzen – indem sie spielen und vorzeigen, wie man es besser macht.

Sie wollten miteinander statt gegeneinander spielen: Përparim Avdili vom FC Kosova (links) und Jeffrey Sachs vom FC Hakoah (rechts) vor dem Spiel am Sonntagnachmittag.

Sie wollten miteinander statt gegeneinander spielen: Përparim Avdili vom FC Kosova (links) und Jeffrey Sachs vom FC Hakoah (rechts) vor dem Spiel am Sonntagnachmittag.

Die Idee zum Freundschaftsspiel kam Përparim Avdili bei einem Mittagessen mit seiner Parteikollegin, der FDP-Kantonsrätin Sonja Rueff-Frenkel. Sie ist jüdischen Glaubens, er hat albanische Wurzeln. Während des Essens überlegten sie, wie sie ihre beiden Communitys zusammenbringen könnten – und kamen bald auf den Fussball zu sprechen. Zusammen Fussball zu spielen, das könnte ein Anfang sein, sagten sie sich.

Das war vor drei Wochen. Und dann ging alles ganz schnell. Als Schirmherrin des Anlasses stellte sich die Stiftung GRA zur Verfügung. Deren Geschäftsführerin, Dina Wyler, war von Rueff-Frenkels und Avdilis Idee umgehend überzeugt und machte sich an die Organisation des Panels zwischen dem Spiel der Junioren und jenem der Herrenmannschaften. Sie sagt: «Alle, die ich angefragt habe, waren sofort sehr engagiert. Das war für mich eine schöne Erfahrung.»

Trotz garstigen 8 Grad, konstantem Nordwind und Nieselregen kommen am Sonntag etwa fünfzig Personen, um sich das Freundschaftsspiel zwischen dem FC Hakoah und dem FC Kosova anzuschauen. Die Stimmung auf dem Sportplatz Juchhof ist familiär, man kennt sich und sagt Du zueinander. Ein älterer Herr bittet Mario Fehr um einen Gefallen, jemand anderes holt Kaffee für eine ganze Runde.

Am Ende steht es 3:1 für das Team im weissen Dress. Gewonnen haben aber alle.

Am Ende steht es 3:1 für das Team im weissen Dress. Gewonnen haben aber alle.

Für Jeffrey Sachs ist dieser Sonntag ein Erfolg. Er freut sich über das grosse Interesse und denkt schon an weitere solche Veranstaltungen. «Es wäre schön, wenn wir nächstes Jahr mehrere solche Spiele mit ganz vielen anderen Vereinen durchführen könnten», sagt er. Mehr kann er aber noch nicht sagen. Und überhaupt muss er jetzt auf den Platz.

Das Spiel geht am Ende mit 3:1 für die Männer im weissen Dress aus. Gewonnen, da ist man sich einig, haben aber ohnehin alle.

Tages Anzeiger: Koch-Besetzer attackieren FDP-Politiker mit Feuerwerkskörper

Politiker müssen sich ja einiges gefallen lassen. Regierungsrat Mario Fehr (sp.) wurde von einem linksradikalen Fussballfan mit Bier übergossen. Noch eine Spur härter traf es nun einen FDP-Politiker aus der Stadt Zürich. Përparim Avdili, neu gewählter Gemeinderat, gab am Dienstag dem Lokalsender «Tele Züri» ein Fernsehinterview. Es ging um die Abstimmung um das besetzte Koch-Areal in Albisrieden. Avdili warb für die FDP-Initiative, die einen Verkauf des Geländes an einen Privaten vorsieht. Die Filmaufnahmen zeigen den Mann im Anzug, wie er das besetzte, mit Graffiti überzogene Haus von aussen begutachtet. Zu sehen ist dann auch die Reaktion der Besetzer, die offensichtlich keine Freude am Besuch des Freisinnigen hatten. Sie werfen mindestens zwei Böller aus einem Fenster. Das Feuerwerk explodiert; Avdili zuckt zusammen. Im Beitrag nicht zu hören sind die wüsten Beschimpfungen, mit denen der Gemeinderat dann noch eingedeckt wurde.

«Solche Angriffe sind inakzeptabel und aufs Schärfste zu verurteilen», sagt Avdili tags darauf auf Anfrage. Er selber und der «Tele Züri»-Journalist seien mit einem Schrecken davongekommen; der Böllerbeschuss hätte aber auch böse enden können. Der FDP-Politiker prüft nun eine Strafanzeige. Das demokratische und rechtsstaatliche Verständnis der Besetzer sei im hohen Masse bedenklich, sagt Avdili. Er macht die rot-grüne Mehrheit im Stadt- und Gemeinderat mitverantwortlich für Exzesse wie diesen. «Mit ihrer toleranten Hausbesetzerpolitik begünstigen sie rechtsfreie Räume, wo anscheinend ganz grundlegende Regeln nicht mehr gelten.»

Avdili hat sich in den letzten Wochen mehrfach kritisch gegenüber der Besetzung auf dem Koch-Areal geäussert. Er selber wohnt in der Nähe. «Die Besetzer haben mich offensichtlich erkannt», sagt er. Er deutet den Angriff auch als Zeichen der Nervosität: «Wir haben mit unserer Initiative anscheinend den Nerv der Besetzerszene getroffen.» Mit ihrer Verkaufsinitiative hat die FDP den Druck auf den Stadtrat erhöht, die Planung einer Wohnsiedlung auf dem Areal voranzutreiben.

Tages Anzeiger: Neue Haus-Besetzungen in Altstetten

Die Häuser strahlen die idyllische Atmosphäre der Gartenstadt aus, auch wenn sie leer stehen und baufällig sind. Da passen die Transparente mit dem kämpferischen Ton nicht in das ruhige Quartier: «Es war schon vor Corona Notstand!» Oder: «Solidarität für alle!»

Unmissverständlich steht da auch: «Besetzt». Aktivistinnen und Aktivisten haben am Donnerstagmorgen vier Häuser in Altstetten eingenommen.

Aktion für Menschen, die «durch die Maschen fallen»

Seine Aktion hat das «Kollektiv: Für alle ein Zuhause» gut geplant. Im Stil der städtischen Corona-Kampagne brachte es Schilder mit der Aufschrift «Für Alle. Ein Zuhause.» an. Es schreibt, der Notstand treffe jene am härtesten, «für die die Umstände vorher schon beschwerlich waren». Nicht alle hätten de Möglichkeit, sich in ein Haus zurückziehen zu können. «Einige Menschen haben keine Papiere, ihre Rechte werden verweigert.» Sie würden illegalisiert, isoliert und ignoriert, schreibt das Kollektiv weiter.

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An die Corona-Kampagne der Stadt Zürich angelegt: Infotafel der Besetzer.

Foto: Dominique Meienberg

In den Häusern wollen die Aktivisten Sans-Papiers oder Menschen Platz bieten, die «durch die Maschen» gefallen seien. Diese Hilfe sei besonders jetzt wichtig, da Organisationen wie «Tischlein deck dich», die für einen symbolischen Franken Lebensmittel abgeben, geschlossen sind.

Für wie viele Menschen sie nun genau Platz bieten, kann das Kollektiv nicht sagen. Das hänge auch noch davon ab, wie sich die Lage weiter entwickle, sagt ein Mitglied. Es meint damit vor allem auch die Gespräche mit den Hausbesitzern und der Polizei, die noch am Laufen sind. Einzelne hätten positiv reagiert, mit anderen sei der Kontakt noch etwas schwieriger, sagt ein Mitglied des Kollektivs am Telefon.

Auch mit der Polizei sei man in Kontakt gestanden. Deren Regeln sind in Zürich klar: Steht eine besetzte Liegenschaft leer, ist nicht einsturzgefährdet und liegt noch kein konkretes Bau- oder Abbruchprojekt vor, wird die Besetzung toleriert. Ob diese Bedingungen alle erfüllt sind, konnte ein Sprecher der Stadtpolizei nicht sagen. Ausserdem würde sie nur aktiv, wenn einer der Hausbesitzer eine Anzeige gemacht hätte.

Videobotschaft von Corine Mauch

Auf einer Website hat das Kollektiv auch ein Video mit Corine Mauch hochgeladen. Darin sagt die Stadtpräsidentin, es gäbe viele Angebote aus der Bevölkerung von Menschen, die sich solidarisch zeigen würden, und fügt an: «Ich wünsche mir, dass sie diese Solidarität und Hilfsbereitschaft auch in Zukunft aufrechterhalten.» Die Aussagen sind aus einem Film des Roten Kreuzes aus dem Jahr 2017 zusammengeschnitten.

In der Stadt Zürich ist in erster Linie das Sozialdepartement von Raphael Golta für Sans-Papiers sowie Menschen zuständig, die «durch die Maschen gefallen» sind. Sprecherin Heike Isselhorst möchte die Aktion als solches nicht kommentieren. Sie sagt aber, die Stadt Zürich unternehme gerade auch in Corona-Zeiten viel für diese Menschen. Die Notschlafstellen seien im 24-Stunden-Betrieb, über die Anlaufstelle für Sans-Papiers würde finanzielle Unterstützung «unbürokratisch und schnell» gesprochen, und auch andere Menschen in Notlagen erhalten Hilfe. «So bezahlt die Stadt etwa Sexarbeiterinnen, die es vor dem Lockdown nicht mehr in ihre Heimatländer geschafft haben, Nothilfe», sagt Isselhorst.

Kritik der Bürgerlichen

Auf die Angebote der Stadt verweist auch der FDP-Gemeinderat Përparim Avdili, der wenig Verständnis für die Aktion in Altstetten zeigt: «Den Aktivisten geht es nicht um die Sans-Papiers. Sie wollen Aufmerksamkeit für grundsätzliche Forderungen.» Das «Kollektiv: Für alle ein Zuhause» fordert etwa: «Alle Lager und Gefängnisse – sofort schliessen.» Ginge es den Aktivisten um die Sans-Papiers, hätten sie das Angebot der Stadt vermittelt, ist Avdili überzeugt. Der Freisinnige ist bekannt dafür, dass er eine Legalisierung von Sans-Papiers unterstützt, wie es der Kanton Genf mit der «Opération Papyrus» getan hat. «Aber privates Eigentum zu besetzen, geht nicht!», sagt Avdili. Ausserdem sei das in Corona-Zeiten auch gefährlich, weil unklar sei, ob die Hygienebestimmungen eingehalten würden.

Weitere Besetzungen?

Selbstverständlich würden die Regeln und Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit eingehalten, sagt ein Mitglied des Besetzerkollektivs. «Wir haben alles in kleinen Gruppen unter fünf Menschen geplant und durchgeführt. Und wir achten genau auf die Hygienebestimmungen.» Das Kollektiv hofft nun, dass weitere Hausbesitzer ihre Liegenschaften zur Verfügung stellen oder andere Menschen Häuser besetzen: «Teilt es mit denen, die keins haben. Verlange Gerechtigkeit», schreibt sie.

Unmissverständlich steht da auch: «Besetzt». Aktivistinnen und Aktivisten haben am Donnerstagmorgen vier Häuser in Altstetten eingenommen.

Aktion für Menschen, die «durch die Maschen fallen»

Seine Aktion hat das «Kollektiv: Für alle ein Zuhause» gut geplant. Im Stil der städtischen Corona-Kampagne brachte es Schilder mit der Aufschrift «Für Alle. Ein Zuhause.» an. Es schreibt, der Notstand treffe jene am härtesten, «für die die Umstände vorher schon beschwerlich waren». Nicht alle hätten de Möglichkeit, sich in ein Haus zurückziehen zu können. «Einige Menschen haben keine Papiere, ihre Rechte werden verweigert.» Sie würden illegalisiert, isoliert und ignoriert, schreibt das Kollektiv weiter.

NZZ: Der Superschweizer und der Albanerversteher

Përparim Avdili:
Der Albanerversteher

25 Sekunden. Länger war das Video nicht. Vor drei Jahren hat es Përparim Avdili auf Youtube veröffentlicht. Die 25 Sekunden genügten, um den damals 27-Jährigen ins Rampenlicht zu katapultieren. Er kandidierte für den Zürcher Kantonsrat. «FDP-Politiker geht mit Albanisch auf Stimmenfang», titelte der «Blick». «Një shoqëri të lirë dhe solidare pa diskriminim», forderte der gebürtige Albaner in dem kurzen Streifen in seiner Muttersprache. «Eine freie und solidarische Gesellschaft ohne Diskriminierung.» Für SVP-Exponenten war das zu viel. Wahlkampf habe man in einer Landessprache zu betreiben, lautete die Kritik.

Geschadet hat Avdili die Medienpräsenz nicht. Er rückte bei den Wahlen vom fünften auf den dritten Listenplatz vor. Ein gutes Resultat, untypisch für einen Kandidaten mit fremdländischem Namen – trotzdem hat es für die Wahl am Ende nicht ganz gereicht. Nun macht der «Albanerversteher», wie er sich im Scherz nennt, einen neuen Anlauf bei den Zürcher Gemeinderatswahlen. Und wieder will Avdili die albanische Community ansprechen. Schweizer mit Migrationshintergrund, die sich sonst von der Politik schlecht vertreten fühlten. Die Rückmeldungen auf seine Auftritte vor Secondo-Vereinen seien positiv.

«Es zählt nicht, woher du kommst, sondern, was du daraus machst.»

Avdili selber ist in Llojan geboren, einem kleinen albanischen Dorf in Mazedonien. Als die politische Lage in den späten 1980er Jahren unruhig wurde, zog die Familie nach Zürich. Der Vater – ursprünglich Lehrer, strikt antikommunistisch – arbeitete als Lastwagenchauffeur. Ein erzwungener beruflicher Neuanfang. Der junge Përparim musste zeitweise mit Widrigkeiten kämpfen. In der Lehre zum Fahrzeugelektriker erlebte er rassistische Übergriffe. So schwer, dass er die Lehre abbrechen musste.

Anstatt zu resignieren, sagte er zu sich: «Denen zeige ich es!» Er absolvierte die Handelsschule, ein Studium und machte in verschiedenen Banken Karriere. «Wer Leistung zeigt, kann es in der Schweiz schaffen», sagt er heute. So freundete er sich auch mit dem Freisinn an. «Es zählt nicht, woher du kommst, sondern, was du daraus machst.» Diesen Wert versuche er als Präsident der FDP-Kreispartei 9 seinen ehemaligen Landsleuten zu vermitteln. Durch viele direkte Kontakte – und durch ein neues Video, das er zurzeit produziert. Neben albanisch wird es auch in deutscher Sprache sein.

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